Bildung

Bildung ist ein Menschenrecht!

Das Recht auf Bildung kommt allen Menschen ein Leben lang zu. Das österreichische Bildungssystem ist jedoch maßgeblich geprägt von sozialer und kultureller Selektion. Diese Tendenz zur Reproduktion gesellschaftlicher Unterschiede zieht sich wie ein roter Faden durch das gesamte Bildungssystem – beginnend von kostenpflichtigen Kindergärten über das differenzierte Schulsystem bis hin zu den Hochschulen, die zunehmend von Marktmechanismen, sozialer Auslese und Zugangsbeschränkungen geprägt sind. Bildung wird in einem von Profit- und Konkurrenzstreben geprägten System nicht alle Probleme der Ungleichheit lösen. Es muss jedoch das Ziel des Bildungswesens sein, Benachteiligungen entgegenzutreten und positive Ansätze, die im Interesse der Menschlichkeit liegen, aufzugreifen und kämpferisch weiterzutreiben. Physische, diskriminierende und strukturelle Barrieren, die den Zugang zu Bildung einschränken, müssen möglichst abgebaut werden. In einer Welt, die sich rasant verändert und entwickelt, braucht es umso mehr ein Bildungswesen, das dabei hilft, bestehende und kommende soziale, politische, kulturelle und ökologische Fragen zu bewältigen.

Binär ist für Computer

Besonders in der Pädagogik müssen Themen zu Geschlechterrollen (inklusive inter, non-binary und trans Anliegen) einen festen Platz haben – und das in allen Fächern, nicht nur, wenn es um Sexualität geht – nur so können sie in der Gesellschaft als alltägliche Selbstverständlichkeit ankommen.

Elementarbildung

Im Kindergarten lernen (die meisten) Kinder zum ersten Mal in ihrem Leben den Umgang und das Spielen in einer diversen Gruppe. Im Kindergarten wird also der Grundstock für eine solidarische Gesellschaft unter Gleichaltrigen gelegt. Diese Verhältnisse lassen sich nur im Kindergarten oder in Kindergruppen herstellen. Hier entwickelt sich die Basis für den Umgang unter Gleich(altrig)en. Gut ausgebildete Pädagog*innen begleiten die Kinder bei ihren ersten Schritten in einem solidarischen Miteinander und befähigen sie zu einem wertschätzenden, achtsamen und kooperativen Umgang miteinander. Linke Bildungspolitik will im Kindergarten das Hauptaugenmerk nicht nur auf die Sprachförderung legen, sondern auch Kinder in der gesunden Entwicklung ihrer Körper und ihrer Sexualität begleiten.

Schule

Die Schule nimmt im Leben von Menschen einen langen und entscheidenden Stellenwert in ihrer Entwicklung ein. In der Schule werden schon früh die Weichen für das zukünftige Erwachsenenleben gestellt. Die Schule ist einer der wichtigsten Orte in der Entwicklung eines Menschen.

Im städtischen Bereich mit einem Großangebot an öffentlichen und privaten Schulen unterschiedlicher Schultypen wird Schule zu einem Ort der Differenzierung und Aussonderung. Sie dient der Reproduktion einer Elite und der Zurichtung der Masse für den Arbeitsmarkt. Während Eltern mit finanziellem und Bildungspotenzial verschiedene Schulstandorte kritisch vergleichen und für ihre Kinder das „Beste“ suchen, bleibt für Kinder finanziell schwacher und bildungsbenachteiligter Eltern der schulische Rest. Diese Aussonderung führt vom frühen Lebensalter an zur Ausbildung von Parallelgesellschaften. Finanziell gut Gestellte bleiben unter sich, entfremden sich von der großen Masse der Menschen und können sich soziale Not erst gar nicht vorstellen. Strukturelle Diskriminierung, wie Ableismus, Rassismus oder Sexismus, reproduziert verkrustete Rollenbilder und verstärkt bestehende Benachteiligungen. Vorbilder fallen im selektiven Schulsystem weg. Weniger privilegierte Gesellschaftsschichten fühlen sich ohnmächtig und von der Mitgestaltung demokratischer Prozesse ausgeschlossen. Das derzeitige Schulsystems selektiert Schüler*innen nach den Bedürfnissen eines irrationalen Arbeitsmarktes und reproduziert damit ein ungerechtes Diskriminierungssystem, in dem es gilt, Leistung in Konkurrenz zu anderen zu erbringen, um einen gesicherten Platz in der Hierarchie zu ergattern. So ist gemäß Wiener Schulgesetz (WrSchG) für jede Pflichtschule ein Schulsprengel festzusetzen. Das bedeutet, dass ein Kind die Schule in unmittelbarer Wohnortnähe besucht. Durch die Ausweitung der Schulsprengel auf größere geografische Gebiete bzw. die Möglichkeit, das gesamte Stadt- oder Gemeindegebiet zu einem einzigen Schulsprengel zu erklären, können sich Eltern die Schule ihres Kindes aussuchen. Jene, die gut informiert sind, haben hier einen Vorteil. Daraus folgt auch, dass öffentliche Pflichtschulen miteinander in ein Konkurrenzverhältnis (Schulprofile, Rankings) treten. Durch besondere Angebote (intensiver Englischunterricht ab der 1. Klasse Volksschule, Mehrstufenklassen, IT-Schwerpunkte etc.) sollen bestimmte Schichten angelockt werden. Wer nicht schnell genug ist, dessen Kind landet in einer „Restschule“.

Eine linke Schulpolitik setzt sich gegen diese ungleich verteilten Chancen ein und bringt Menschen mit unterschiedlichen Voraussetzungen im Sinne einer solidarisch-kooperativen Gesellschaft zusammen, um die Ressourcen aller positiv zu nutzen und zu erweitern. Sozial gerechte Bildungspolitik setzt eine sozial gerechte Wohnpolitik und eine gerechte Wirtschaftspolitik voraus. Eine sozial gerechte Wohnpolitik verhindert Ghettobildungen. Eine sozial gerechte Wirtschaftspolitik gleicht die kapitalistische Ungleichverteilung aus und versucht, die Schere zwischen Arm und Reich zu schließen. Unter dieser Voraussetzung kann Schule ein Ort gemeinsamer Begegnung sein. Schüler*innen können ohne lange Anfahrtswege ihre Schule im Grätzl besuchen, ohne größere qualitative Unterschiede der Schulen in Kauf nehmen zu müssen. Wir stehen daher für eine inklusive (gemeinsame) Schule bis zum 16. Lebensjahr.

Unser Detailprogramm

Unsere genauen Forderungen kannst du im Detailprogramm nachlesen. Das PDF gibt’s hier zum Download. Bei Fragen und Anmerkungen kannst du uns gerne hier kontaktieren.

Eine linke Schulpolitik ist daher notwendigerweise inklusiv. Nur in einer inklusiven Umgebung lässt sich der Umgang mit der Diversität in der Gesellschaft lernen. Kein unterrichtspflichtiges Kind sollte in stigmatisierende Sonderschulen oder in Deutschklassen ausgesondert werden. Inklusive Gesamtschulen organisieren ihren Unterricht so, dass die besonderen Bedürfnisse aller individuell Beachtung finden. Um sozialen Ungerechtigkeiten und Diskriminierung in und auch außerhalb der Schule entgegenzutreten, setzt sich linke Schulpolitik für den Einsatz multiprofessioneller Teams an den Ganztagsschulen ein (von Pädagog*innen, Sozialarbeiter*innen, Trainer*innen über Mediziner*innen bis hin zu Arbeits-Expert*innen). Anlaufstellen für Diskriminierung im Bildungssystem sollen Klarheit und rechtliche Sicherheit schaffen.

Inklusive Gesamtschulen überlassen Nachmittagsangebote nicht dem Zufall bzw. dem Engagement der Eltern, sondern stellen Angebote im Interesse der Schüler*innen zur Verfügung. Es ist nicht Aufgabe der Eltern, ihren Kindern bei den Hausübungen und beim Lernen zu helfen. Bildung darf nicht nach Verlassen der Schule am frühen Nachmittag aufhören. Derzeit setzt sich die Zwei-Klassen-Gesellschaft auch in der Freizeit fort. In einer Ganztagsschule wird polytechnische Bildung möglich. Über den Tag lernen Schüler*innen das gemeinsame Leben zu organisieren, Arbeitsaufgaben zu bewältigen und dabei Rücksicht auf andere zu nehmen. In einer Ganztagsschule lassen sich die verschiedenen Praxen einer polytechnischen Bildung – von körperlicher und handwerklicher, über geistige Bildung bis hin zu Care-Arbeit und politischer Bildung – verschränken.

Insbesondere Berufsschüler*innen / Lehrlinge sind vielfach benachteiligt. Beim Lehrpersonal an Berufsschulen handelt es sich oft um Quereinsteiger*innen, die keine pädagogischen Qualifikationen aufweisen. Zudem werden Lehrlinge in den Betrieben oft als billige Arbeitskräfte ausgenutzt. Eine linke Bildungspolitik setzt sich dezidiert für eine Verbesserung der Lehre und der Berufschule ein.

Erfolgreiches Lernen basiert auf gelungenen menschlichen Beziehungen. In Klassen mit bis zu 30 Schüler*innen und mehr ist das nicht möglich. Die coronabedingten „halben“ Klassen haben gezeigt, wie viel leichter die Kommunikation und die Erarbeitung neuer Inhalte mit einer geringeren Anzahl an Schüler*innen ist, da kaum Disziplinschwierigkeiten auftreten.

Hochschulen

Die Krise des Kapitalismus in Folge der Corona-Pandemie hat besonders die problematische soziale Lage der Studierenden verschärft: Rund 60 % der Studierenden sind auf Lohnarbeit angewiesen, um ihr Studium zu finanzieren. Dabei überwiegen prekäre Arbeitsverhältnisse, besonders im Dienstleistungssektor. Als Folge der Corona-Krise hat der überwiegende Teil dieser Studierenden seine Existenzgrundlage verloren. Gleichzeitig sind jedoch trotz weitgehend ausbleibender Lehrveranstaltungen oft Studiengebühren zu bezahlen. Ähnlich problematisch ist die Lage der Lehrenden, die in der Mehrzahl durch so genannte Kettenverträge ebenso prekären Lebensumständen wie die Studierenden unterworfen sind.

„Nur etwas Kostenpflichtiges ist auch etwas wert.“ Dieses politische Dogma des Neoliberalismus beschränkt nicht nur den Zugang zur Hochschulbildung, sondern auch das Hochschulsystem und die kritische Wissenschaft. In den letzten Jahren hat es aufgrund der Kommerzialisierung des Sektors einen Wildwuchs an Privatuniversitäten und Fachhochschulen gegeben, an denen ebenso weitaus höhere Studiengebühren zu bezahlen sind. Die zunehmende Verengung höherer Bildung auf den Faktor „Ausbildung“ zeigt auch Konsequenzen für die Forschung. Die staatliche Finanzierung des Bildungssystems richtet sich streng nach der Verwertbarkeit der Forschungsinhalte und führt zu einer Marginalisierung kritischer Ansätze. Dies zeigt sich auch bei der zunehmenden Abhängigkeit von der Drittmittelfinanzierung, die der Kommerzialisierung der Wissenschaft Tür und Tor öffnet. All diese Entwicklungen bremsen das Potenzial, das die Wissenschaft und Forschung für den Fortschritt der Menschheit birgt und verkehrt dieses teils sogar ins Gegenteil.

Querthemen

In allen unseren Programmpunkten legen wir besonderen Fokus auf unsere Querthemen. Hier findest du weiter Informationen zu unseren Positionen dieser Themen und wie sie unsere anderen Inhalte und Aktionen beeinflussen.

FLINTA*

FLINTA* bezeichnet Frauen, Lesben, intersex Personen, nicht-binäre Personen, trans und agender Personen.

Migra

Wer in Wien wohnt, weiß, dass 30 % der Stadtbevölkerung keine österreichische Staatsbürger*innenschaft haben.

Klima

Die multiplen ökologischen Krisen, allen voran die Klimakrise, sind für die ganze Welt, und damit auch für uns Linke, einige der größten Herausforderungen, vor denen wir gerade stehen.

Antikap

Wien wäre reich genug, um alles zu finanzieren, was wir für ein gutes Leben brauchen. trotzdem sind Abhängigkeit, Druck, wirtschaftliche und soziale Unsicherheit Alltag für fast alle.


Keine geplanten Veranstaltungen