JALOUSIEN FÜR WIEN

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Hitzeschutz darf kein Luxus sein!

Die Sonne brät dich in deiner Wohnung und deiner Vermieter*in ist das scheißegal? Mit der Kampagne „Jalousien für Wien“ setzt sich LINKS für das Recht auf wirksamen Hitzeschutz in jeder Mietwohnung in Wien ein.

UNSERE FORDERUNGEN

  • Außenliegenden Sonnenschutz als verpflichtenden Standard im Neubau und im Bestand.
  • Eine gesetzliche Verpflichtung der Eigentümer*innen zur Finanzierung und Umsetzung geeigneter Verschattungsmaßnahmen.
  • Einfache, einheitliche und mieter*innenfreundliche Verfahren für die nachträgliche Montage von Jalousien und anderen Außenbeschattungen.
  • Klare, einfache und einheitliche Regeln für eine Mietzinsminderung bei unzureichendem Hitzeschutz.

WIEN WIRD HEISSER – WOHNUNGEN AUCH

Wien wird heißer und heißer. Wir alle erinnern uns an die letzten Hundstage, als der Schweiß in der U-Bahn das T-Shirt durchnässte. Wer Glück hat, kann durch richtiges Lüften und das Schließen der Rollos die Temperatur in der Wohnung auf gerade noch erträgliche 28 °C begrenzen. Wer Pech hat, wohnt in einer Backofenwohnung, weil es keine Möglichkeit gibt, die Räume ausreichend vor der Sonne zu schützen.

Nicht nur im Altbestand sind viele Wohnungen überhitzt. Auch aus großen Wohnprojekten im Wiener Neubau gibt es viele Anekdoten über überhitzte Wohnungen. Das zeigt: Die derzeitigen Anforderungen an den sommerlichen Wärmeschutz sind oft nicht ausreichend. Was nützt eine Glaskasten-Loggia, wenn sie sich nicht verschatten lässt und sich im Sommer in einen aufgeheizten Pizzaofen verwandelt, der alles in die Wohnung abstrahlt?

Bei Temperaturen deutlich über 30 °C ist von zumutbarem Wohnen keine Rede mehr. Überhitzte Wohnungen sind nicht bloß unangenehm: Sie können die Gesundheit gefährden. Besonders betroffen sind ältere Menschen, Kinder und chronisch kranke Personen.

AUSSENBESCHATTUNG IST DER WIRKSAMSTE HITZESCHUTZ

Die effizienteste Methode, um sonnenexponierte Wohnräume vor Überhitzung zu schützen, ist außenliegender Sonnenschutz – etwa durch Jalousien, Rollläden oder andere geeignete Verschattungssysteme. Außenbeschattung hält die Hitze ab, bevor sie überhaupt in die Wohnung gelangt. Bei richtiger Anwendung sind Klimaanlagen dadurch oft gar nicht notwendig.

Häufig greifen Mieter*innen dennoch zu mobilen Monoblock-Klimaanlagen. Deren Betrieb verursacht zusätzliche Kosten, die über die Stromrechnung bei den Mieter*innen landen. Gleichzeitig erzeugen diese Geräte Lärm und Abwärme und belasten damit die unmittelbare Umgebung. Sie lösen das Problem daher nur individuell und oft nur vermeintlich.

Das heißt nicht, dass Klimaanlagen grundsätzlich zu verteufeln sind. An manchen Orten und für manche Menschen wird es ohne sie nicht gehen. Wenn die rechtlichen und baulichen Rahmenbedingungen jedoch dazu führen, dass Mieter*innen ihr Geld für Klimaanlagen aus dem Fenster blasen, dabei ihre Nachbar*innen mit Lärm und Abwärme belasten und die Überhitzung häufig mit einer einfachen Low-Tech-Lösung verhindert werden könnte, dann läuft in dieser Stadt und im Rest des Landes etwas schief.

MIETER*INNEN KÖNNEN DAS PROBLEM NICHT ALLEIN LÖSEN

Als Mieter*in ist es schwer, eine Außenbeschattung nachträglich umzusetzen, wenn sie nicht bereits vorhanden ist, vor allem in Altbauten. Neben den Kosten sind die erforderlichen Zustimmungen der Vermieter*innen, der Baupolizei und der Wohnungseigentümergemeinschaft (WEG) häufig ein Hindernis.

Trotz der seit 2024 vereinfachten Verfahren kann bereits eine Gegenstimme ausreichen, um eine Maßnahme zu verhindern. Das kann auch Eigentümer*innen betreffen, die ihre Wohnung selbst nutzen, aber keine Zustimmung erhalten. Zusätzlich können Vorgaben für Schutzzonen die Montage erschweren.

Selbst wenn Mieter*innen bereit sind, die Kosten selbst zu übernehmen, und Vermieter*innen die Maßnahme grundsätzlich unterstützen, gestaltet sich die Umsetzung häufig schwierig. Für Mieter*innen sind solche langfristigen Investitionen außerdem oft nicht sinnvoll oder finanziell möglich. Ein befristeter Mietvertrag bietet keine langfristige Perspektive und montierte Jalousien lassen sich beim Auszug nicht einfach mitnehmen.

Die Verantwortung darf daher nicht bei den einzelnen Mieter*innen liegen. Wer über Wohnraum verfügt und daraus Einnahmen erzielt, muss auch dafür sorgen, dass dieser Wohnraum unter zumutbaren Bedingungen nutzbar ist – so, wie es auch bei der Heizung der Fall ist.

HITZESCHUTZ ALS FRAGE DES EIGENTUMS

Bei „Jalousien für Wien“ treffen die Themen Wohnen, Umwelt und Eigentumsverhältnisse aufeinander.

Außenbeschattungen im Bestand zum verpflichtenden Standard zu erklären, würde in die Eigentumsrechte eingreifen. Ein solcher Eingriff kann jedoch im öffentlichen Interesse liegen, insbesondere zum Schutz der Gesundheit und der Bewohnbarkeit von Wohnungen. Wohnungen müssen auch bei zunehmender Hitze bewohnbar bleiben.

ANFORDERUNGEN AN DEN SOMMERLICHEN WÄRMESCHUTZ

„Ein Autoverleih darf ein Auto ohne Pickerl nicht vermieten. Eingriffe in das Privateigentum im öffentlichen Interesse sind also nichts Neues. Warum sollte das bei Wohnraum, der uns alle betrifft, anders sein? Warum werden Wohnungen nicht auch daraufhin überprüft, ob sie technischen Mindeststandards entsprechen, bevor sie vermietet werden dürfen? Warum kann die volle Miete für überhitzte Wohnungen verlangt werden, obwohl diese im Sommer kaum nutzbar sind?“

An dem Autoverleih-Beispiel zeigt sich, dass es Eingriffe in das Privateigentum braucht, um gesellschaftlich sinnvolle und gerechte Lösungen zu schaffen. Die Anpassung an die Folgen des Klimawandels kann nicht allein den Einzelnen überlassen werden.

Individuelle Lösungen wie Klimaanlagen verlagern die Kosten und Belastungen auf Mieter*innen und Nachbarschaften. Notwendig sind stattdessen gemeinsame, verbindliche und sozial gerechte Maßnahmen.

KONKRETE MASSNAHMEN

  1. Außenliegenden Sonnenschutz zum Standard machen
    Außenbeschattungen müssen im Neubau und Bestand verpflichtend vorgesehen werden. Besonders im Altbestand braucht es einen rechtlichen Anspruch auf geeigneten Hitzeschutz.
  2. Kostenübernahme durch Eigentümer*innen sicherstellen
    Die Kosten für notwendige Verschattungsmaßnahmen dürfen nicht bei den Mieterinnen liegen. Sie müssen von den Eigentümerinnen getragen werden.
  3. Genehmigungsverfahren vereinfachen
    Die Montage von Jalousien und Außenbeschattungen muss noch unkomplizierter möglich sein. Einzelne Gegenstimmen oder unnötige bürokratische Hürden dürfen sinnvollen Hitzeschutz nicht verhindern.
  4. Hitzeschutz für alle Wohnformen gewährleisten
    Die Regelungen müssen für Neubauten, Altbauten, Mietwohnungen und Eigentumswohnungen gelten. Auch Bewohner*innen von Schutzzonen dürfen nicht vom notwendigen Hitzeschutz ausgeschlossen werden.

Die gesetzlichen Hürden dafür sind derzeit groß, es wird Änderungen auf Landes als auch auf Bundesebene brauche. Doch Wien leidet ganz besonders an Hitzewellen, wir können nicht warten bis es in Innsbruck und Badausee heiss genug wird – die Gefahr durch sommerliche Überhitzung rechtfertigt und erfordert verbindliche landesrechtliche Hitzeschutzstandards die weit über das derzeitige Maß hinausgehen. Gleichzeitig muss der Bund das Mietrecht an die Klimakrise anpassen.

HITZESCHUTZ IST TEIL DER SOZIALEN WÄRMEWENDE

„Jalousien für Wien“ ist der Einstieg in eine soziale Wärmewende. Dabei geht es um eine grundlegende Frage:

Wer bezahlt für die Sanierung der Wohnungen in Wien – die Mieter*innen über ihre Gas- und Stromrechnung für Klima und Heizung oder die Vermieter*innen im Rahmen der Sanierung?

Klimaanpassung darf nicht bedeuten, dass sich diejenigen selbst schützen müssen, die am wenigsten dafür können. Wer in einer überhitzten Wohnung lebt, braucht keine individuellen Notlösungen, sondern einen rechtlich abgesicherten Anspruch auf leistbaren und wirksamen Schutz.

Die Sonne wird nicht kühler. Deshalb müssen unsere Wohnungen jetzt hitzetauglich werden.

Wir fordern daher ausdrücklich klimafitte Wohnungen bei Kälte und bei Hitze!