Julia Richter

Portrait

„Ich bin am Land aufgewachsen, da gab’s nicht viel. Als Jugendliche haben wir uns am Spielplatz oder auf der Tankstelle getroffen. Mit 17 bin ich dann nach Wien, obwohl meine Oma mich immer gewarnt hat, dass Wien so eine arge Stadt ist. Ich wollte Soziale Arbeit studieren, bin aber abgelehnt worden- zu jung, zu wenig Erfahrung. Die hab ich mir dann im Weberknecht Keller geholt, als Kellnerin. An den Wochenenden hab ich beim CanisiBus Suppe ausgeschenkt. Bier und Suppe. Politik, das haben in meiner Welt immer die Anderen gemacht. 

Ich hab dann Komparatistik studiert und später Schauspiel in Graz. Vielleicht weil ich als Kind öfter den Hirten im Krippenspiel gegeben hab. Segen und Fluch. Nach den ersten Jahren im Beruf hab ich schnell gemerkt, dass die Institutionen in denen ich arbeite, das, was ich mir davon erhofft hatte, nicht hergeben. Dass die Darstellungsformen und die Arbeitsbedingungen oft noch in der Mitte des 20.Jhds stecken geblieben sind. Ich glaube daran, dass Kunst eine transformative Kraft hat und dass ein Akt des Widerstands häufig auch etwas sehr performatives hat. Aber dass man- um etwas zu verändern- auch aus den Institutionen raus muss. Schon allein deshalb, weil sich diese Kunst nur noch ein immer kleiner und privilegierter werdender Teil der Menschen leisten kann. 

So bin ich dann auch zu LINKS gekommen. Ich war zurück in Wien, es war Lockdown und ich hab gelesen, dass es eine neue linke/queerfeministische Partei gibt. 

Der Queerfeminimus war bei mir auch so eine Initialzündung. Und über Autorinnen wie Federici bin ich dann bei Marx gelandet. Die „kapitalistische Akkumulation“ hat mir eine Freundin betrunken am Balkon erklärt. Sie hat das Kapital aufgeschlagen wie eine Bibel.

Ich mag, dass ich mich bei LINKS nicht für einen Kampf entscheiden muss. Dass zb der Kampf für mehr konsumfreie Räume genauso Platz hat, wie der Kampf für die Rechte von FLINTAs. Dass diese Kämpfe zusammen gehören und der Eine dem Anderen nichts wegnimmt. Und dass ich dabei so viele spannende Menschen und Verbündete finde.“

Julia Franz ist: Queerfeministin und Schachperformerin. Julia ist LINKS.